Nafplio

Nafplio, Griechenlands schönste Stadt

„Von allen Häfen Griechenlands“, schreibt der französische Romancier Paul Morande in einem Buch über die Mittelmeerregion, „ist Nafplio der malerischste, und aufgrund seines Ruhmes Ziel von Eroberern aus Ost und West.“ Historische Größe spiegelt sich auch wider in den folgenden poetischen Worten des einheimischen Dichters Angelos Tersakis: „Die Zeit hat in Nafplio das Blut und den Tod gerechtfertigt und in ein Monument der Schönheit,einer herben und geheimnisvollen Schönheit, verwandelt. Um sich der Stadt zu nähern, muß man vertraut gemacht, ja, eingeweiht werden, es bedarf geistiger Vorbereitung. Und Ehrfurcht.“ Romantisch drückt sich der französische Reiseschriftsteller Pouqueville bei seinem Abschied von Nafplio aus:
„Zum ersten Mal überkam mich Wehmut    und ich wandte meinen Blick voll Trauer der Stadt zu, von der wir uns entfernten. Ich sagte diesem vielgepriesenen Ort, seinen alten Gemäuern, seiner herrlichen Umgebung ein letztes Lebewohl….“
Einst erblickte hier, an diesem „vielgepriesenen Ort“, der Gott Poseidon die liebreizende Amnemone, Tochter des Danaos, und war augenblicklich von Liebe zu ihr erfüllt. An Euböas Gestade gebar sie ihm einen Sohn, Nafplion. In einem Boot erreichte dieser, zum Mann gereift, einen verborgenen Ort am Argolischen Golf, und gründete dort die Stadt, die noch heute seinen Namen trägt.

Die weitere Besiedlung von Nafplio wird vorangetrieben durch die für die Schiffahrt ausgesprochen günstige geographische Lage an einer felsigen Landzunge, die schützend ins Meer ragt. Dies allerdings hat zur Folge, daß Nafplio fortgesetzt einer ganzen Reihe von Eroberungen zum Opfer fällt. Die viele Jahrhunderte währende Fremdherrschaft durch Argiter, Awaren, Goten, Ostgoten, Slaven, Albaner, Byzantiner, Franken, Venezianer und Türken wird erst im Jahre 1822 mit der Eroberung der Palamidifestung durch die aufständischen Griechen unter Führung des S. Staikopoulos beendet.
Anfang des Jahres 1823 wird Nafplio provisorischer Regierungssitz der um ihre Unabhängigkeit kämpfenden, griechischen Nation. Hier regiert ab Januar 1828 der erste Präsident des freien Griechenland, Kapodistrias, der jedoch 1831 einen tragischen Tod bei einem Attentat am Eingang der Kirche des Ag. Spiridon findet. Nach zwei Jahren herrschender Unsicherheit und Chaos kommt Anfang 1833 mit 36 ausländischen Schiffen und großem Gefolge König Otto aus Bayern im Hafen von Nafplio an. Griechenland wird Monarchie und schon im darauffolgenden Jahr wird die Hauptstadt nach Athen verlegt.
Die heutige Altstadt von Nafplio ist ein architektonisches Gemisch aus fränkischen, venezianischen und türkischen Gebäuden sowie Häusern im ländlichen und neoklassizistischen Stil. Sie ist von einem Netz aus engen Gassen und Straßen durchzogen. Ottomanische Brunnen, Denkmäler, Statuen, Kanonen stehen überall, weite Plätze, verborgene Innenhöfe und idyllische Parkanlagen runden das Bild ab. Mit seinen in vielen Farben leuchtenden Bougainvilleen lockt Nafplio zu einer Entdeckungstour.

Morgens ist die beste Zeit für einen Besuch im Archäologischen Museum mit seinen reichen Schätzen im über die Grenzen Griechenlands hinaus bekannten Peloponnesischen Volkskundemuseum. Ebenso bietet sich ein Aufstieg zur Akronafplia, der „Hochstadt“, sowie zur imponierenden Festung Palamidi mit seiner venezianischen Burg und den unzähligen steinernen Stufen an. Bevor man seinen Ausflug in die Altstadt fortsetzt, gönnt man sich eine Pause, um beim sogenannten „Tor der Xira“ neben einem aus dem Burgfelsen plätschernden Wasserfall einen Kaffee zu genießen. Auch der gegenüberliegende ehemalige Bahnhof, der mit seiner ausrangierten Eisenbahn nostalgische Erinnerungen weckt, beherbergt heute ein Cafe.

Den Staikopoulos-Park und den Park des Kolokotronis mit dem Reiterstandbild läßt man hinter sich und wandert westwärts, vorbei am Denkmal des Kapodistria, dem Gerichtsgebäude und dem Domizil des ehemaligen Vizekönigs Armansberg. Man gelangt zum Platz der Drei Admirale mit dem Rathaus der Stadt, einst das erste Gymnasium im befreiten Griechenland. Vorbei an der „ersten Apotheke“ und dem Standbild König Ottos, vorbei an der Kadettenschule und dem Haus des Dichters Angelos Tersakis führt dieser Spaziergang durch die Geschichte zum Syntagma-Platz mit dem ehemaligen Parlamentsgebäude (Voulevtiko), der Moschee. dem Haus des Kolokotronis und dem den Platz beherrschenden Bau des Archäologischen Museums (ursprünglich ein Lagerhaus aus venezianischer Zeit, auch „Gefängnis des Leonardo“ genannt).

Die Altstadt wird überragt vom Felsen der Akronafplia, der schon zu prähistorischen Zeiten besiedelt war. Von dort aus hat man eine allumfassende Aussicht auf die gesamte Umgebung. Im Norden blickt man auf das Häusergewirr der Altstadt mit ihren Ziegeldächern hinunter, die hier und da von Glockentürmen und den Wipfeln uralter Bäume überragt wird. Bourdzi, die ehemalige „Henkersinsel“, eine Festung aus dem 15. Jh., liegt, einem steinernen Schiff gleich, vor der Hafeneinfahrt.
Von den von wilden Feigenkakteen überwucherten Felsen hat man nach Süden einen atemberaubenden Blick auf den Golf der Argolis. Hingebettet in die Bucht unter dem Burgberg des Palamidi liegt der zauberhafte Badestrand von Arvanitia.
Nun lasse man sich nicht von dem Anblick der fast tausend Stufen, die zur venezianischen Festung hochführen, entmutigen: Es gibt auch eine asphaltierte Straße, auf der man bis zu einem der Eingänge der Burganlage fahren kann. Wer trotzdem beschließt, zu Fuß hochzusteigen, wird mit einem verschwenderischen Ausblick auf die argolische Ebene und das Meer belohnt.

Abends wird die Stadt zur Promenade. Wenn die Sonne langsam hinter den Bergen versinkt, kommt buntes Leben in die Straßen. Touristen aus aller Welt und hier Ansässige, Fremde wie Einheimische, flanieren durch das farbenfrohe Städtchen.
Zahlreiche, bis spät in die Nacht geöffnete Läden bieten alles über Souvenirs, Kunsthandwerk, Antiquitäten, Schmuck und erlesene Süßigkeiten bis hin zu traditionellen Musikinstrumenten und den beliebten „Karagiosi“-Figuren: Geschmackvolles steht neben Kitsch, Krimskrams neben Gegenständen von Wert.

An der Hafenpromenade mit ihren alteingesessenen Fischtavernen, stilvollen Cafes und schicken Bars trifft sich Jung und Alt, Familien, verliebte Pärchen, Künstler, und viele mehr. Der betörende Duft des Nachtblumenstrauches liegt über allem, der Widerschein des festlich beleuchteten Bourdzi spiegelt sich im Wasser, bis in die frühen Morgenstunden vergnügt sich die Stadt.