Die prähistorischen Jahre

Die prähistorischen Jahre

Von dem Reisenden und Schriftsteller der Antike Pausanias, der Achaia 174 n.Chr. besuchte, erfahren wir: „Das Land zwischen Ilia und Sikyonia entlang des Golfs, der sich nach Osten ausbreitet, wird zu unserer Zeit Achaia genannt, weil seine Einwohner die Achäer sind, doch in den früheren Zeiten hieß das Land Aigialos und diejenigen, die es bewohnten, Aigialier, nach Aigialeas dem damaligen König des heutigen Sikyonia“.
Als erste Siedler von Aigialos und des Nord-Peloponnes erscheinen ungefähr im 22. Jahrhundert v.Chr., also in der Bronzezeit, die Pelasger. Die pelasgischen Stämme kamen wahrscheinlich aus Kleinasien über Thrakien und Thessalien in diese Gegend und besiedelten sie. Die Sprache der Pelasger trug in hohem Maße zur Entstehung der griechischen Sprache bei.

Die sogenannten Prohellenen oder Frühhellenen (zwei unterschiedliche Auffassungen) unterjochten die einheimische Bevölkerung, bauten ihre Siedlungen um und errichteten gleichzeitig neue. Ihr Staatsgebiet nannten sie Aigialeia (Egialia) bzw. Aigialos, sich selbst aigialische Pelasger. Nach ungefähr sieben Jahrhunderten Herrschaft der Pelasger wurde die Gegend von den Ioniern aus Attika erobert. Es wird angenommen, dass die folgenden Siedlungen während der Mykenischen Periode (1600-1100 v.Chr.) von den Ioniern erbaut wurden: Paleia, Larissa, Gonoessa, Pellene (Pellini). Aigeira (Egira), Aiges (Eges), Peiras (Piras), Euryteias, Phelloe, Rypes (Ripes), Voura, Aigio (Egio), Aroe (Aroi), Antheia (Anthia), Mesatis (Messatida), Argyra, Volina. Arva und andere.

Nach den Aufzeichnungen von Herodot, Strabon und Pausanias scheinen die Ionier die Gegend in zwölf geographische Bezirke aufgeteilt zu haben, jeder umfasste mehrer Siedlungen, von denen eine Verwaltungssitz war. Damals wurde das alte Aigialos bzw. Aigialia dann Ionen genannt, mit der Hauptstadt Elike die 373 v.Chr. durch ein schreckliches Erdbeben zerstört wurde. Zu der Union der 12 Städte gehörten auch Aigio, Pellene, Aigeira (das vorher Yperesia hieß), Aiges, Voura, Phares, Triteia, Rypes, Olenos und Dyme (wahrscheinlich das alte Paleia). Die Gegend entwickelte sich rasch und war mit den Zentren der mykenischen Kultur verbunden, insbesondere mit Mykene. Städte und Siedlungen wie Elike, Aigio, Yperesia und Pellene im Gebiet Aigialos werden auch in der Liste der Schiffe, die am Trojanischen Krieg (1193 —1184 v.Chr.) teilnahmen aufgezählt, während die endgültige Entscheidung für den ersten großen Krieg in der Geschichte der Menschheit, den zehnjährigen und blutreichen trojanischen Krieg, in Aigio im Tempel des Zeus von Omagyrios getroffen wurde, auf einer Beratung, bei welcher Agamemnon selbst den Vorsitz führt.

Es vergingen nach ihrer Besiedlung jedoch keine dreihundert Jahre und die Ionier befanden sich im Mittelpunkt eines Orkans, der den Peloponnes erschütterte. Um 1100 v.Chr. kamen mit der dorischen Wanderung über die Meerenge Rio — Antirrio und über die Gegend von Korinth in Schüben die Dorier. Innerhalb kurzer Zeit wurden die Dorier die Herrscher des gesamten Peloponnes, abgesehen von dem Land der Ionier.

Doch der entstandene Aufruhr ließ die Ionier nicht unberührt. Denn die aus ihrer Heimat vertriebenen Achäer aus Lakedaimona und Argos suchten und fanden Zuflucht im Land der Ionier, welches sie jedoch später, kurz nach 1100 v.Chr., mit Waffengewalt eroberten. Die herrschenden Achäer änderten den Namen der Gegend in Achaia und sorgten für eine Befestigung der Städte und Siedlungen, die sie besiedelten. Sie machten die alten Siedlungen zu Städten, von denen jede sieben oder acht Stadtgemeinden umfassten und gründeten eine völlig neue Stadt: Patras.

Durch Zusammenfassung der Siedlungen Aroe, Antheia und Messatidos zur gemeinsamen Verehrung der Göttin Artemis Triklarias (drei Stämme) entstand der Mythologie zufolge auf Veranlassung von Preugenis und seinem Sohn Patreas Patras, zu dessen Verwaltungsbereich auch die Städtchen Argyra, Volina, Arva und eventuell auch das Gebiet von Voudeni gehörten, wo Grundmauern einer organisierten Stadt gefunden wurden. Patras, die Gründung muss kurz nach Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. stattgefunden haben.

Die Achäer behielten außer Elike als Hauptstadt auch andere Organisationsformen der Ionier bei. Unter anderem die Union der zwölf Städte, deren Grundlage die gemeinsame Verehrung der Götter war. Alle Einwohner des Landes verehrten gemeinsam Poseidon im Tempel von Elike und brachten ihm Opfergaben dar. Später trat an die Stelle der vielen lokalen Könige und Herrscher zunächst die Aristokratie und später die Demokratie. Ungefähr zu dieser Zeit gründeten die Achäer den ersten Städtebund in der Geschichte der Menschheit, die Institution „Gemeinschaft der Achäer“, den sogenannten 1. „Achaischen Bund“. Anfangs hatte die „Gemeinschaft der Achäer“ ihren Sitz in Elike und später in Aigio, wo sich die Vertreter der 12 Städte versammelten und sich, nach Opfergaben an die Götter, berieten und die untereinander bestehenden Streitigkeiten bereinigten und ihre gemeinsamen Interessen ordneten.

Die Verständigung und Stabilität der „Gemeinschaft der Achäer“ machten diese Institution im Bewusstsein der übrigen Griechen aber auch der Fremden zu einem Vorbild. Sogar die Römer interessierten sich dafür, denn der römische Senat schickte im 5. Jh. v.Chr. einen Botschafter nach Elike und nahm sich den demokratischen Bund zum Vorbild.